So 21.09.
19.15 Uhr
Zacara da Teramo
Ensemble Leones
Johanneskirche, Limmatstrasse 112, Zürich
Von kleiner Statur, mit Behinderungen behaftet, insgesamt nur zehn Glieder an Händen und Füssen zusammengenommen, den linken Arm in einer Schlinge und die Füsse verkrümmt –, und doch verdanken wir diesem mysteriösen Mann, der von Beruf Meisterbuchmaler war, einige der wunderbarsten, innovativsten und seltsamsten Lieder des Spätmittelalters. Selbst fünfzig Jahre nach seinem Tod galten seine Kompositionen noch als «Orakel». Und das bezog sich nicht nur auf die komplexen Proportionen und den seltsamen Kontrapunkt seiner Musik: Sein prophetischer Ton machte auch seine Texte rätselhaft, als wolle er Dämonen oder die Unterwelt beschwören, voller Anspielungen, die nur halb verstanden wurden. Ein Verrückter, meinten einige, ein Teufelsanbeter, meinten andere. Und tatsächlich waren und sind das Leben und Werk von Zacara da Teramo eine Kuriosität.
Er hatte nicht nur mit körperlichen Behinderungen zu kämpfen, auch sein Leben war von Herausforderungen geprägt: Nach dem Verlust seiner geliebten Frau starb sein kleiner Sohn während einer gewalttätigen Revolte, und all diese Schicksalsschläge prägten sein Werk.
Das Ensemble Leones präsentiert die aussergewöhnlichen Kompositionen und Liedtexte eines einflussreichen, aber heute noch immer unterrepräsentierten Komponisten an der Schwelle zur Renaissance: Als stilistisches Vorbild für Johannes Ciconia, als Freund der Päpste und vom Schicksal gebeutelt, kommt Zacara hier voll zur Geltung.